GESUNDHEIT DIGITAL

Digitaler, schneller, bequemer – so muss die Gesundheitsversorgung von morgen aussehen

Europaweit stehen die Gesundheitsmärkte vor einem tiefgreifenden Wandel. Der medizinische Fortschritt und die Digitalisierung fast aller Lebensbereiche werden das Gesundheitswesen nachhaltig verändern. Anbieter von Gesundheitsleistungen müssen sich vernetzen, wenn sie am Versorgungsgeschehen weiterhin teilnehmen wollen. In Online-Videosprechstunden begegnen Patienten ihrem Arzt buchstäblich auf Augenhöhe. Bei Diagnosen und Therapieassistenzen leistet das Internet der Dinge erste Hilfe.

Politik und soziale Selbstverwaltung haben diese Entwicklungen erst spät und auch dann nur zögerlich aufgegriffen. Trotz eines halben Hunderts gesundheitspolitischer Gesetze und Verordnungen in der zu Ende gehenden Legislaturperiode hinkt Deutschland bei der Digitalen Transformation weit hinterher. Die neue Bundesregierung steht vor der Aufgabe, Zugangsbarrieren zum Gesundheitsmarkt abzubauen und eine sichere, strukturierte Patientenversorgung auf Basis aller verfügbaren Informationen und Daten aufzubauen. Nur so kann das riesige Chancenpotenzial der Digitalisierung genutzt und dem gesundheitlichen Selbstbestimmungsrecht der Menschen endlich Vorrang vor korporativen Verbandsinteressen eingeräumt werden.

Als Europas größte Versandapotheke verfügt DocMorris über viel Erfahrung in der Beurteilung gesundheitspolitischer Strukturen und Konzepte. Damit der digitale Fortschritt bei allen Menschen ankommt und überall mehr Lebensqualität entsteht, müssen Freiräume zur Verwirklichung neuer Versorgungsformen geschaffen werden.

1. INNOVATIONSRÄUME SCHAFFEN

In der 17. Legislaturperiode erhöhte sich die Zahl staatlicher Eingriffe in den Gesundheitssektor deutlich. Dies birgt die Gefahr, dass aussichtsreiche Modellprojekte und Startup-Entwicklungen unterbleiben oder ins Ausland abwandern. Um das zu verhindern, müssen im Gesundheitswesen Innovationsräume zur Erprobung neuer medizinischer und pharmazeutischer Versorgungsformen geschaffen werden. Der Rechtsrahmen hierfür ist eine Ausweitung des Instrumentariums zum selektiven Kontrahieren im ambulanten und stationären Sektor und in der Arzneimittelversorgung, ergänzt durch Evaluation und Zertifizierung einer Innovation vor Übernahme in die Regelversorgung.

Erwartungen an die Politik:
Schaffung von Innovationsräumen für neue Versorgungsformen und Projekte

2. DIGITALISIERUNG UND INDIVIDUALISIERUNG FÖRDERN

Schon in wenigen Jahren wird die Entwicklung neuer Produkte zur Diagnose, Behandlung und Therapie von Krankheiten ohne Digitalisierung undenkbar sein. Dasselbe gilt für die Sicherzustellung der medizinischen und pharmazeutischen Versorgung in strukturschwachen Regionen. Deshalb müssen schnell die hohen Eintrittsbarrieren im Gesundheitsmarkt abgebaut werden, damit digitale Entwicklungen eine realistische Chance zur Übernahme in die Regelversorgung erhalten. Vom Patienten selbst erhobene Gesundheitsdaten und vernetzte Daten aus dem professionellen medizinischen Bereich ermöglichen eine flexible, ortsunabhängige Betreuung der Menschen.

Erwartungen an die Politik:
Schnelle, verpflichtende Einführung von Patientenakte, Arzneimittelverschreibungen und Medikationsplänen in elektronischer Form

Einheitlicher Rechtsrahmen für eine sichere, flächendeckende Telematikinfrastruktur unter besonderer Berücksichtigung telemedizinischer und telepharmazeutischer Anwendungen

Einheitliche datenschutzrechtliche Anforderungen an den Umgang mit Gesundheitsdaten

3. DEN LÄNDLICHEN RAUM STÄRKEN

Im Gesundheitsbereich kommt es zu einer zunehmenden Unterversorgung ländlicher Räume. Auch bei Apotheken kann ein Rückgang beobachtet werden. Dies hat vielfältige Gründe: Fehlallokation aufgrund des Festpreissystems, Überalterung der Apothekerschaft, schwierige Nachwuchssuche, örtlicher Verdrängungswettbewerb und zunehmend das altersbedingte Ausscheiden von Ärzten ohne Praxisnachfolger. Zur Sicherung der der Versorgung mit Gesundheitsdienstleistungen und -produkten müssen effizientere, vor allem aber digitale Lösungen gefunden werden.

Erwartungen an die Politik:
Rascher Ausbau von schnellen, hochleistungsfähigen Datennetzen

Förderung von mobilen Lösungen für Telemedizin und -pharmazie mit Arzneimittelabgabe

Stärkung der Versorgung in der Fläche durch Ausweitung des Mehrbesitzes von Apotheken

Schaffung eines Strukturfonds zur Unterstützung regionaler Gesundheitseinrichtungen

4. DEN Rx -VERSANDHANDEL UND DIE WAHLFREIHEIT DER PATIENTEN ERHALTEN

Der Versandhandel für verschreibungspflichtige und rezeptfreie Arzneimittel wurde 2004 von der damaligen Bundesregierung in Deutschland eingeführt, um als Ergänzung zur Vor-Ort-Apotheke zu dienen. Für Millionen Patienten sind seitdem Versandapotheken zu einem wichtigen und festen Bestandteil ihres Lebensalltags geworden. Sie bieten eine sichere, qualitativ hochwertige und flächendeckende pharmazeutische Beratung und Versorgung. Besonders für Menschen, die älter oder immobil sind oder in ländlichen Gebieten mit einer niedrigeren Apothekendichte leben, sind Versandapotheken aus Sicht der Patienten nicht mehr verzichtbar. Eine optimale, umfassende und flächendeckende Arzneimittelversorgung und -beratung braucht daher Beides: ortsgebundene Apotheken und Versandapotheken. Hier gilt es, die Wahlfreiheit zum Wohle des Patienten zu erhalten!

Erwartungen an die Politik:
Erhalt des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln

5. EIN BESSERES APOTHEKEN-VERGÜTUNGSSYSTEM EINFÜHREN

Ein Vergütungssystem im Apothekenwesen muss die flächendeckende und qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung durch ortsgebundene Apotheken und Versandapotheken marktwirtschaftlich ermöglichen. Das jetzige Festpreissystem führt jedoch zu einer immer größeren Apothekenkonzentration. Deshalb braucht Deutschland ein Vergütungssystem, das wirtschaftliche Anreize zur Niederlassung als Apotheker im „unattraktiven“ ländlichen Raum bietet. Dies kann durch einen finanziellen Ausgleich zwischen Land- und Stadtapotheken, durch besondere Honorierung von Beratungsleistungen örtlicher Apotheker oder mittels eines Arzneimittel-Höchstpreissystems erfolgen, welches 2006 die damalige Bundesregierung bereits als Gesetzentwurf beschlossen hatte.

Erwartungen an die Politik:
Einführung eines besseren Apotheken-Vergütungssystems, das Landapotheken stärkt und Versandapotheken nicht benachteiligt