FRAGEN & ANTWORTEN

STERBEN DIE APOTHEKEN? WAS SIND BONI? ZAHLEN AUSLÄNDISCHE VERSANDAPOTHEKEN STEUERN IN DEUTSCHLAND?

Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen im Verbotsstreit.

Was kann ich bei einer Versandapotheke bestellen?

Versandapotheken bieten, genau wie Apotheken vor Ort, gemäß den gesetzlichen Anforderungen das Vollsortiment an Arzneimitteln an. Das heißt: rezeptpflichtige und rezeptfreie Medikamente, aber auch Drogerie- und Kosmetikartikel.

Wer kauft bei Versandapotheken?

Viele Kunden, die bei Versandapotheken bestellen, sind älter und/oder brauchen regelmäßig Medikamente, weil sie chronisch krank sind. Außerdem sind die rezeptfreien Medikamente – sogenannte OTC-Arzneimittel – dort in der Regel günstiger. Deshalb sind Versandapotheken auch für alle interessant, die aufs Geld schauen müssen. Mehr als 40 Prozent der Deutschen haben schon Medikamente bei zugelassenen Versandapotheken bestellt.

Warum sind Versandapotheken wichtig?

Für manche Patienten ist es nicht leicht, bis zur nächsten Apotheke zu kommen. Zum Beispiel weil sie in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, keine Apotheke in der Nähe ist oder sie während der Öffnungszeiten der Apotheken arbeiten müssen. Auch kaufen gerade finanziell schwächere Patienten bei EU-Versandapotheken, etwa weil sie dort durch Boni sparen können. Für all diese Menschen sind Versandapotheken seit vielen Jahren ein wichtiger und fester Bestandteil ihres Lebensalltags.

Warum wird jetzt ein Verbot diskutiert?

Die Apothekerverbände und Apothekenkammern behaupten: Weil EU-ausländische Versandapotheken Boni bei rezeptpflichtigen Medikamenten anbieten dürfen, seien die Apotheken bedroht. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe plant deshalb, den Versand von rezeptpflichtigen Medikamenten zu verbieten. Ohne Versandapotheken wäre völlig offen, wie die Versorgung mit Medikamenten in dünn besiedelten Gebieten gesichert werden soll. Weder Politik noch Apothekerverbände und Apothekenkammern haben dafür ein nachhaltiges Konzept. Die Leidtragenden wären die Patienten.

Welche Folgen hätte ein solches Verbot?

Patienten könnten dann nicht mehr wählen, wo sie rezeptpflichtige Arzneimittel kaufen möchten. Sie müssten sie ausschließlich in einer niedergelassenen Apotheke besorgen, zu den vorgegebenen Öffnungszeiten. Ein Verbot hätte vor allem Nachteile für Patienten auf dem Land, die weit weg von der nächsten Apotheke wohnen. Besonders hier würde die Versorgung schlechter werden.

Warum sind manche Versandapotheken günstiger als niedergelassene Apotheken?

Der finanzielle Vorteil entsteht dadurch, dass EU-ausländische Versandapotheken wie zum Beispiel DocMorris einen Teil ihrer Marge durch Boni an ihre Kunden weitergeben. Das ist der Unterschied zu den Apotheken vor Ort.

Bezahlen Versandapotheken Mehrwertsteuer?

Ja, Versandapotheken zahlen die in Deutschland vorgeschriebenen Steuern an das deutsche Finanzamt.

Verdrängen Versandapotheken niedergelassene Apotheken?

Nein. Versandapotheken sind eine sinnvolle Ergänzung und damit eine Alternative für Menschen, die ihre Medikamente lieber bei Versandapotheken bestellen. Versandapotheken haben gerade einmal einen Anteil von rund drei Prozent am Medikamentenmarkt in Deutschland. Alle deutschen Versandapotheken werden übrigens von Vor-Ort-Apotheken betrieben.

Was will die Politik?

Teile der Politik wollen den Versand von rezeptpflichtigen Medikamenten verbieten. Andere wiederum wollen ihn erhalten und das Apothekensystem modernisieren. Entschieden ist also noch nichts. Sprechen Sie deshalb die Politiker in Ihrer Region an. Oder schreiben Sie ihnen, wenn Sie Versandapotheken als Teil des Angebots behalten möchten.

Muss ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich bei DocMorris kaufe? Ist das nicht „Rosinenpickerei“, da DocMorris keinen Notdienst leistet und keine individuellen Rezepturen herstellt.

Nein. Keiner unserer Kunden verhält sich unsolidarisch. Der Arzneimittelversandhandel wurde 2004 von der damaligen Bundesregierung in Deutschland eingeführt, um als Ergänzung zur Vor-Ort-Apotheke zu dienen. So sieht sich auch DocMorris. Gerade in ländlichen Regionen, wo Apotheker keinen Nachfolger finden oder der Arzt abwandert und eine Apotheke sich nicht mehr rechnet, sind Menschen auf den Versandhandel angewiesen, wenn sie nicht weite Entfernungen zurücklegen wollen.

DocMorris kann in Deutschland keinen Nacht- und Notdienst leisten, weil DocMorris als Kapitalgesellschaft laut Gesetz in Deutschland keine Apotheke betreiben darf. Allerdings führt DocMorris von jeder verkauften Packung verschreibungspflichtiger Arzneimittel den gesetzlich vorgeschriebenen Betrag von 16 Cent pro Packung an den Nacht- und Notdienst-Fonds der Apotheken ab. DocMorris zahlt dort jedes Jahr mehr als eine halbe Million Euro ein.

Auch DocMorris fertigt bis auf wenige Ausnahmen Rezepturen an.  Allerdings bittet DocMorris seine Kunden, Details vorab mit dem pharmazeutischen Kundenservice des Unternehmens telefonisch zu besprechen.