DARUM GEHT’S

Für den Versand von rezeptpflichtigen Medikamenten
Nein zum geplanten Rx-Versandhandelsverbot

DIE FAKTEN

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat im Oktober 2016 entschieden, dass die Ausweitung der Festpreisbindung für rezeptpflichtige Medikamente in Deutschland auf EU-ausländische Versandapotheken gegen europäisches Recht verstößt. Die deutsche Preisbindung beschränkt den freien Warenverkehr in der EU zu Lasten von EU-ausländischen Versandapotheken. Das höchste europäische Gericht sieht auch keine Gründe, die diese Beschränkung rechtfertigen könnten.

Der Apothekerverband behauptet: Vor allem im ländlichen Raum seien die örtlichen Apotheken bedroht; sie fürchten die Konkurrenz der Versandapotheken. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will den Versand von rezeptpflichtigen Medikamenten per Gesetz verbieten. Und dass, obwohl der Arzneimittelversand seit über zehn Jahren in Deutschland etabliert ist.

VERSANDAPOTHEKEN SIND EINE GUTE UND SINNVOLLE ERGÄNZUNG DER ÖRTLICHEN APOTHEKEN.

Versandapotheken haben in Deutschland seit der Marktöffnung im Jahr 2004 einen Marktanteil von rund drei Prozent; das von Gegnern prognostizierte Apothekensterben ist ausgeblieben. Vor dem EuGH konnten die Apothekerverbände für ihre These auch keinen Gegenbeweis vorlegen. Vielmehr zeigt sich, dass die Versandapotheken von Patienten gewünscht und eine sinnvolle Ergänzung bei der Arzneimittelversorgung sind, besonders in Regionen mit geringer Apothekendichte (siehe: https://www.monitoring-lr.de/wohnen/apotheke.html).

Der Versand von rezeptpflichtigen Medikamenten ist wichtig für viele Patienten.

Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität sind Versandapotheken eine große Entlastung, weil die Arzneimittel nach Hause geliefert werden. Für finanziell schwächer gestellte Menschen und Chroniker sind Versandapotheken teilweise unerlässlich, weil sie Boni auf rezeptpflichtige Arzneimittel gewähren und sie somit entlasten. Einige Patienten brauchen Medikamente aus Spezialapotheken und sind auf den Versand angewiesen, weil die benötigten Arzneimittel nicht in ihrer Nähe zu beziehen sind. Auch für Berufstätige ist es bequem, ihren Bedarf an Arzneimitteln über Versandapotheken abzudecken, weil sie so nicht mehr auf Öffnungszeiten angewiesen sind.

Noch hat der Patient die freie Wahl der Apotheke.

Heute können Patienten wählen, ob sie sich ihre Medikamente in einer örtlichen Apotheke besorgen oder ob sie ein Medikament, das sie etwa als Chroniker kontinuierlich brauchen, bei einer Versandapotheke mit Rezept bestellen. Ein Verbot würde ihnen diese Wahlfreiheit grundlos nehmen. Gerade beim Thema Beratung bieten Versandapotheken Patienten ein umfassendes Angebot. So gehört dokumentierte Beratung mit Blick in die Medikamentenhistorie des Patienten seit vielen Jahren zum Service-Standard von Versandapotheken.

Die Boni, die EU-ausländische Versandapotheken ihren Kunden gewähren, werden aus der eigenen Marge gezahlt; sie gehen nicht zu Lasten der Solidargemeinschaft.

Der finanzielle Bonus für den einzelnen Patienten ergibt sich durch einen Verzicht auf die eigene Marge – das macht den Unterschied zu den Apotheken vor Ort aus.

EU-ausländische Versandapotheken, die nach Deutschland liefern, führen auch die Steuern in Deutschland ab. Zudem beteiligen sie sich finanziell am Nacht- und Notdienst der örtlichen Apotheken.

Von jeder verkauften Packung verschreibungspflichtiger Arzneimittel führen Versandapotheken, wie jede Apotheke in Deutschland, den gesetzlich vorgeschriebenen Betrag von 16 Cent pro Packung an den Nacht- und Notdienst-Fonds der Apotheken ab – obwohl sie keine Umsätze aus den Nacht- und Notdiensten generieren. Allein DocMorris zahlt dort jedes Jahr mehr als eine halbe Million Euro ein.

„Wie gehen wir mit der Digitalisierung um, und was bedeutet Digitalisierung? (…) Wir werden nicht klarkommen, wenn wir bestimmte Dinge einfach verbieten und uns den neuen Möglichkeiten nicht öffnen. (…) Bitte glauben Sie nicht, dass wir den Möglichkeiten der Digitalisierung entgehen können. (…) Wir müssen es wieder schaffen, sie in das, was wir öffentliche Daseinsvorsorge nennen, vernünftig einzubeziehen.“

Angela Merkel, Bundeskanzlerin, November 2016